Artikel „Wortfront – Warum sterben die Giraffen, aber Elvis lebt?“ im Folker 1/2009

„Warum sterben die Giraffen, aber Elvis lebt?“ – Folker im Gespräch mit Wortfront

Anfang 2009, kurz nach dem Erscheinen unserer dritten CD „Von vorn mit Anlauf“ (TextTon Records, 2008), trafen wir uns in einem Berliner Café mit Stephan Göritz vom Folker, dem Magazin für Folk, Lied und Weltmusik. Daraus wurde in der Ausgabe 1/2009 ein Porträt in der Reihe „5 Minuten mit …“ unter dem Titel „Warum sterben die Giraffen, aber Elvis lebt? – Lieder als lustvolle Kämpfe“.

Sandra Kreisler und Roger Stein auf der Bühne, im Hintergrund ein Cellist
Wortfront live

Göritz beschrieb unsere Lieder als Stücke über „Herzen, die so wenig gefedert sind wie die Berliner Linienbusse“, über die „Söldner der Gegenwart“, die „immer smart auf Erfolgskurs und immun gegen jeden Traum“ sind, und – in „Warum“ – über die erstaunte Frage, wie es sein kann, dass die Giraffen aussterben, während doch Elvis lebt. Dass Roger in „Volksmusik“ gebeichtet hatte, heimlich ganz viel volkstümliche Musik zu komponieren, um das „Nischenprodukt“ Wortfront zu finanzieren, nahm er mit Humor – als er nachhakte, versteckte Roger den Kopf demonstrativ fast unter der Tischplatte.

„Wer zu solchen Themen aus Cello-, Klavier- und Violintönen diffizile Klanggebilde erzeugt, die in jedem Kammermusiksaal bestehen könnten, der gewinnt keinen Chartlorbeer, aber Hörerherzen und auch Platzierungen in der Liederbestenliste.“

Stephan Göritz, Folker 1/2009

Wir erzählten, warum wir uns nicht zwischen guten Texten und guter Musik entscheiden wollten: Poesie, Bissigkeit und gesellschaftspolitische Relevanz des klassischen Chansons sollten bleiben, aber nicht eingesperrt in Kabarettklavier und Liedermachergitarre. „Entweder klingt die Musik ganz toll, und der Autor hält ‚Ich liebe dich, blabla …‘ für einen Text. Oder die Worte sind unwahrscheinlich vielschichtig, aber die Musik kommt über hmmtata nicht hinaus“, sagte Sandra – mit einem bösen Blick auf die kleine Lautsprecherbox über unserem Caféhaustisch. Erwähnt wurden natürlich auch Georg Kreisler und Topsy Küppers, Sandras Eltern.

Seit 2005 lebten wir in Berlin, hatten unser eigenes Aufnahmestudio in Kreuzberg und genossen nach den Wiener Jahren eine Stadt, in der nicht zählt, was einer hat und trägt, sondern was er denkt und sagt. Den Namen Wortfront verstanden wir im Sinne von „kampflustig“ – als lustvollen Kampf, auch den, sich immer wieder einen neuen Lebensmittelpunkt zu erobern. Sandra sagte dazu: „Ich bin als Kind ja Gott sei Dank ständig mit den Eltern mitgereist. Wir haben überall gewohnt, aber überall nur ein bisschen.“ Und Roger genoss es, als Schweizer alle EU-Streitereien von außen betrachten zu dürfen.

Göritz erwähnte auch Rogers Buch über „Das deutsche Dirnenlied“ und unsere Arbeitsteilung: Für die Texte zeichnete zwar Roger verantwortlich, aber „Sandra ist oft die Anregerin, und immer ist sie die erste Leserin. Ich schreibe, aber sie gibt hinterher den Goldstaub drauf.“ Ein Goldstaub, so der Folker, „der verhindert, dass aus Steins durchaus auch mal böser Ironie je Zynismus wird“.

Folker – Magazin für Folk, Lied und Weltmusik, Ausgabe 1/2009: „5 Minuten mit … Wortfront – Warum sterben die Giraffen, aber Elvis lebt? Lieder als lustvolle Kämpfe“, von Stephan Göritz.

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