„Mitteleuropäische Jüdin“ – Interview bei AVIVA-Berlin

Im Dezember 2009 hat mich Lisa Erdmann für das Online-Magazin AVIVA-Berlin zum Gespräch gebeten – mit meinem Chihuahua Nebbich auf dem Schoß. Wir haben über meinen späten Weg zur Musik gesprochen, über die Lieder meines Vaters Georg Kreisler und mein Programm „Kreisler singt Kreisler“, über Wortfront mit Roger Stein, über mein Jüdischsein und über meine Pläne.

Sandra Kreisler singt mit geschlossenen Augen ins Mikrofon, links eine Geigerin
Foto: Sandra Kreisler

Warum ich mich erst so spät ganz der Musik gewidmet habe, nachdem ich lange als Moderatorin und Schauspielerin gearbeitet hatte:

„Ich hatte einfach lange Zeit Angst davor, verglichen zu werden. Ich wollte meine eigenen Brötchen backen […] Irgendwann war ich dann aber stark genug, um mir zu sagen: ‚Das Chanson-Singen ist das, was ich am liebsten mache und am besten kann.‘“

Sandra Kreisler im Interview mit Lisa Erdmann, AVIVA-Berlin, 18. Dezember 2009

Bei den Liedern meines Vaters suche ich mir bewusst die aus, die nicht ohnehin alle singen – ich will eine Seite des Komponisten zeigen, die vielleicht nicht so bekannt ist. Und ich habe erzählt, dass ich Interpretation unterrichte, „Acting while Singing“, wie man es in den USA lernt – mehr dazu unter Regie & Coaching.

Porträt von Sandra Kreisler in oranger Jacke, die Hand in die Hüfte gestützt
Sandra Kreisler

Über Wortfront und unser damals neues Album „Freilandherz“, das am 19. Februar 2010 erschien – ganz ohne Elektronik, mit Cello, Basscello, Geige, Klavier und Schlagzeug, so wie wir live klingen:

„Wir versuchen, das Chanson ins 21. Jahrhundert zu holen, und aus seiner Intellektuellen-Nische heraus zu katapultieren. Da gehört es nämlich gar nicht hin. Es ist Emotion gemischt mit Gedanken.“

Sandra Kreisler im Interview mit Lisa Erdmann, AVIVA-Berlin, 18. Dezember 2009

„Ich sage gerne: Kreisler-Lieder sind noch viel Glut, nicht nur Asche. Und Wortfront versucht jetzt, das Feuer weiter zu reichen.“

Sandra Kreisler im Interview mit Lisa Erdmann, AVIVA-Berlin, 18. Dezember 2009
Sandra Kreisler am Esstisch mit ihrem Chihuahua auf dem Schoß
Beim Gespräch mit AVIVA-Berlin. Foto: © AVIVA-Berlin

Wir haben auch über jüdische Kultur gesprochen – über Lieder von Georg Kreisler, Gerhard Bronner und anderen jenseits des üblichen „Klezmer-Abends“, über meine Auftritte in jüdischen Altersheimen und darüber, warum ich mich als „mitteleuropäische Jüdin“ fühle. Und über einen Traum: das Open Mind Quartett mit unserer Geigerin Kinneret Sieradzky wieder aufleben zu lassen – bekannte Chansons von Konstantin Wecker, Brecht und Kreisler, neu arrangiert für Streichquartett.

Danach ging es weiter mit „Kreisler singt Kreisler – Für Fortgeschrittene“ mit Jarkko Riihimäki in der Bar jeder Vernunft und mit der Wortfront-Tour durch Süddeutschland im Januar 2010 – siehe „Gewagte Stilsymbiosen“ – Landshuter Zeitung. Danke, AVIVA-Berlin, für das schöne Gespräch!

AVIVA-Berlin, 18. Dezember 2009: „Interview mit Sandra Kreisler“ von Lisa Erdmann.

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