„Brutal wie die Postmoderne und ungeniert wie ein Arschloch, hörenswert“ – DrehPunktKultur über unser Album

Im Juni 2006 besprach Oliver Baumann in der Salzburger Online-Kulturzeitung DrehPunktKultur unser Album „Lieder eines postmodernen Arschlochs“. Die CD-Kritik erschien am 23. Juni 2006 und begann mit einem ehrlichen Satz: „Kein schöner Titel, muss man schon sagen.“ Und doch verleite er dazu, sich den Liedern zuzuwenden – und schnell zu verstehen, dass der Titel mehr als nur Programm ist.

Roger Stein und Sandra Kreisler vor einer Graffiti-Wand – Wortfront 2006
Roger und Sandra – Wortfront 2006

Wortfront beschrieb er als „die fruchtbare und dabei doch bipolare Mischung“ aus der samtweichen Stimme von Sandra auf der einen und dem harten, unbarmherzigen Wortschwall von Roger auf der anderen Seite. Was einige Monate zuvor mit dem Song „ZeiT.“ begonnen hatte, war zu einem ganzen Album gewachsen. In Berlin lebend und arbeitend, nahmen wir Modetrends, Zeitgeist und die oft dubios anmutenden Ausformungen menschlicher Charaktere unter die Lupe.

Sandra, frisch gekürte Lale-Andersen-Preisträgerin, erschien für ihn in vertrauter Rolle als Chansoninterpretin – und setzte dem Vertrauten schmissig Gereimtes und Rap-Textgut in Dunkelgrauschattierungen entgegen, „dem Namen ihres berühmten Vaters Georg Kreisler gerecht werdend“. Roger rührte dazu „eine kräftige Brühe aus satten Sample-Beats und bissfertigen Klassik-Sounds“ an, wofür er mit Séverine Ballon, Orfeo Mandozzi und Frédéric Sigér drei namhafte Solisten gewonnen hatte.

„Lyrik mit Kanten, wienerisch und/oder europäisch.“

Oliver Baumann, DrehPunktKultur, 23. Juni 2006

In Rogers Zeilen tummelten sich, getrieben von Überforderung, Ängsten und Selbstverachtung im „Herbstmanöver“, fiese Zeitgenossen und verlaufene Egoisten: „Söldner der Gegenwart“, „Beifahrer der Belanglosigkeit“. Die Melancholie regierte. Auf der Suche nach „ZeiT“ und „Herz“ gelangten wir in humorvoller Selbstironie immer wieder an die Grenzen unserer vermeintlich bunten Welt. Nur „Erst einen Kaffee“ hätte sich, fand er, einen besseren Refrain verdient.

Sein Fazit: Den Plattitüden des deutschsprachigen HipHops und der Süßlichkeit des Kammermusikalischen stets entweichend, gelinge uns „eine überaus ansprechende und in ihrer Deutlichkeit fesselnde musikalische Begegnung mit ihrer Umwelt und unserer Zeit. Brutal wie die Postmoderne und ungeniert wie ein Arschloch, hörenswert.“

Die CD-Kritik aus DrehPunktKultur vom 23. Juni 2006 als PDF:

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