Sandra Kreisler und Roger Stein singen, dahinter Cello und Geige

„Auch das literarische Chanson ist letztlich Popkultur“ – Der Patriot im Gespräch mit Wortfront

Im August 2007, ein paar Wochen vor unserem Auftritt beim Lippstädter Wortfestival am 12. September, hat uns Der Patriot zum Interview gebeten. Die Zeitung stellte uns vor: Sandra, Trägerin des Lale-Andersen-Preises 2006 und Tochter der Chanson-Legende Georg Kreisler, und Roger als Autor, Komponist und Sänger – dazu unser mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnetes Debüt „Lieder eines postmodernen Arschlochs“ und das Weihnachtsalbum „Penetrant Besinnlich“. Im Gespräch haben wir uns als überzeugte Sprachfetischisten geoutet.

Sandra Kreisler und Roger Stein singen, dahinter Cello und Geige
Wortfront mit Cello und Geige

Frage: „Was ist ein postmodernes Arschloch?“
Sandra: „Du und ich. In Zeiten wie diesen ist jeder irgendwie ein postmodernes Arschloch. Muss man wohl sein in Europa.“

Der Patriot, Lippstadt, 15. August 2007

Roger erzählte, dass das Intro zum „Postmodernen Arschloch“ aus Stelleninseraten zusammengebastelt ist, und Sandra zählte auf, was so ein Wesen ausmacht: Kaltschnäuzigkeit, Überheblichkeit, oberflächliches Wissen, Ellbogentechniken. Beim Thema HipHop ging es um Leonard Bernstein, der Jazz als Element einfließen ließ, um die Tradition von Kästner und Tucholsky und um die Frage, ob man Eminem eines Tages als Klassiker verehren wird. Klassische Ausbildung heiße eben nicht „Anbetung der Asche“, sondern „Weiterreichen der Flamme“. Und die Grenzen zwischen „E“ und „U“ gibt es für uns ohnehin nicht.

„Auch das literarische Chanson ist letztlich Popkultur, war es immer zu seiner Zeit. Brecht hat immer sehr darauf geschaut, dass er ein möglichst großes Publikum erreicht. Das war nie eine elitäre Geschichte.“

Sandra im Patriot-Interview, 15. August 2007

Zum Namen Wortfront – Günter Wallraff hatte an uns die Mischung aus Poesie und Widerstand gelobt – sagte Roger, wir machten „sehr stark Front gegen die Verflachung der Sprache“. Außerdem verrieten wir, dass wir schon an der nächsten CD arbeiteten, damals unter dem Titel „Von vorn mit Anlauf“. Roger wollte darauf noch sparsamer arbeiten:

„Die große Kunst ist, mit noch weniger Mitteln noch größere Effekte zu erzielen.“

Roger im Patriot-Interview, 15. August 2007

Zum Schluss ging es noch einmal um unseren Albumtitel: Viele Leute stolperten darüber und schrieben lieber „A***“, in Österreich dagegen eher über das Wort „postmodern“. Sandras Antwort: „Aber ich will den Titel nicht ändern. Ich finde ihn gut.“

Der Patriot, Lippstadt, 15. August 2007: „Auch das literarische Chanson ist letztlich Popkultur“ – Interview mit Sandra Kreisler und Roger Stein.

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